04.12.01


Zorn in Obereisesheim

Nachdem auch der Wimpfener Gemeinderat sich erneut für die Westumgehung ausgesprochen hat, kommt jetzt scharfer Gegenwind aus Neckarsulm, sprich aus dem Stadtteil Obereiesesheim. Die Heilbronner Stimme berichtete von der Gemeinderatssitzung in Neckarsulm am 29.11.:

Neckarsulm lehnt die von Untereisesheim und Bad Wimpfen favorisisierte Westumfahrung strikt ab

"Mir schlägt's Feuer aus den Augen"

Von Rolf Muth

Die Neckarsulmer Verwaltung und der Gemeinderat ist überhaupt nicht einverstanden mit der Westumfahrung, die die Nachbarkommunen für ihre Areale favorisieren. Stadtrat Karl-Heinz Ulrich berichtete vom Zorn der Obereisesheimer Bürger.

Drei Varianten sind im Spiel: Die Westumgehung von Untereisesheim (Variante A) führt in großem Bogen über Neckarsulmer Markung und schließlich im Süden an Wimpfen vorbei. Diese 71 Millionen Mark teure Variante wird von den beiden Kommunen per Beschluss im Gemeinderat favorisiert.

Die Variante B sieht eine Umfahrung von Untereisesheim im Bereich des Neckars vor. Diese Strecke kostet auch aufgrund mehrerer Tunnellösungen 110 Millionen Mark, bringt laut Wimpfens Stadtverwaltung aber die geringste Entlastung für die Kurstadt.

Und schließlich gibt es die Variante C, die nach Neckarsulmer Ansicht gute Chancen hat. Wie Baubürgermeister Klaus Grabbe bei der Gemeinderatssitzung betonte, kostet sie lediglich drei Millionen Mark mehr als die Variante A und bringe für die Menschen in Neckarsulm- Obereisesheim nicht diese gravierenden Einschnitte.

Schon vor zwei Jahren hatte das Regierungspräsidium sechs Varianten vorgelegt, wie Grabbe im Gremium ausführte. Schon damals sei eine Westumfahrung von der Stadt klar ausgeschlossen worden. Jetzt liege sie - in veränderter Form - schon wieder auf dem Tisch.

Am verträglichsten für Obereisesheim sei eine Ostumgehung von Untereisesheim. Die westliche Umfahrung würde knapp an den Sportanlagen vorbeiführen: "Da muss man aufpassen, dass kein Ball auf die Straße fliegt." Vor allem seien durch die großzügige Schleife um Untereisesheim herum noch zwei Kilometer mehr der Neckarsulmer Markung genutzt. Die Obereisesheimer würden erheblich durch Lärm und Abgase beeinträchtigt.

Schon jetzt ist der Neckarsulmer Stadtteil von zwei Seiten belastet. Auf der einen Seite liegt die Autobahn, auf der anderen die bestehende Obereisesheimer Umgehung und nun würde auf der dritten Seite die Schleife für die Untereisesheimer Umgehung folgen.

Stadtrat Karl-Heinz Ulrich aus Obereisesheim war ziemlich erbost: "Da schlägt's mir das Feuer aus den Augen." Die Zange um Obereisesheim werde voll perfekt gemacht. "Es kocht in mir. Untereisesheim verschiebt die Last, die der eigenen Bevölkerung nicht zugemutet werden soll, auf Obereisesheim."

Für Grabbe hätte die Variante C mit einer Trasse entlang des Neckars klare Vorteile. Bedenken wegen der Neckaraue hatte er nicht: "Wir fahren nicht kreuz und quer durch." Seit 20 Jahren und länger sei diese Trasse Bestandteil der Entwicklungsplanung in diesem Raum. Die Stadt Neckarsulm habe ihre Hausaufgaben gemacht. Die Umfahrung geht bis Obereisesheim. Für Neckarsulm sei es selbstverständlich, dass die Nachbarn in ihren Bemühungen, den Verkehr aus den Gemeinden zu bekommen, unterstützt werden sollen. "Es ist keine Frage ob, sondern wo", betonte Grabbe.

So hieß auch der Verwaltungsantrag von Oberbürgermeister Volker Blust: "Wir unterstützen die Gemeinden bei der Umfahrung und befürworten die Varianten B und C. Die Trasse A aber lehnen wir ab." Das gesamte Gremium bekräftigte beim Beschluss diese Position der Stadt. Jetzt ist das Regierungspräsidium mit der Abwägung der verschiedenen Stellungnahmen und Position am Zuge.