06.08.02

Leserbrief-Geplänkel


Heilbronner Stimme, 25.06.02, Leserbrief von Harald Ullmann, Obereisesheim:


Bitte kein Raubbau

Darf der Mensch alles? So unerträglich die Verkehrssituation in Untereisesheim und Bad Wimpfen auch ist, sie rechtfertigt nicht die Zerschneidung eines halbwegs intakten Stücks Natur auf einer Gesamtlänge von 9,4 Kilometer. Die Äcker, Streuobstbestände, Wiesen und Biotope, durch welche die Trasse führen wird, sind ein wertvolles Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Viele in den angrenzenden Orten kennen dieses Gebiet, sei es vom sonntäglichen Spaziergang zur Waldschänke in Obereisesheim, als Radfahrer oder als Gartenhausbesitzer. Rückzugsgebiete für Mensch und Tier werden gerade im Raum Heilbronn immer weniger. Diesem Raubbau muss Einhalt geboten werden.


Heilbronner Stimme, 06.07.02, Leserbrief von mir:


Kirche im Dorf lassen

Es ist verständlich, dass den Obereisesheimer Bürgern eine Landstraße zwischen Ober- und Untereisesheim nicht gefällt. Aber es soll doch bitte die Kirche im Dorf gelassen werden. Die Straße soll nicht durch ein Naturschutzgebiet, sondern zum größten Teil durch ökologisch wenig wertvolles Ackerland führen, auf dem überwiegend Rüben und Mais produziert werden. Und jeder kann leicht, besonders am Wochenende, selbst beobachten, dass viel mehr Menschen das Neckartal unterhalb von Untereisesheim als Erholungsraum nutzen, als das Ackerland zwischen den beiden Orten.


Heilbronner Stimme, 23.07.02,
Leserbrief von Thomas Lang, Landwirtschaftlicher Ortsverein Obereisesheim:


Fruchtbarstes Land

Nach wie vor sichert die deutsche Landwirtschaft unsere Ernährung mit qualitativ hochwertigen Produkten zu nie zuvor dagewesenen günstigen Preisen. Der gesamte ernährungswirtschaftliche Bereich ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Deshalb muss die Landwirtschaft in raumordnerische Planungen mit einbezogen werden.

Dies scheint bei der derzeitig favorisierten Variante der Ortsumgehung von Untereisesheim nicht der Fall zu sein. Die Straße durchschneidet fast ausschließlich fruchtbarstes Ackerland, das ordnungsgemäß und teilweise auch biologisch bewirtschaftet wird. Die Flächen wurden, wie richtig bemerkt, mit enormem finanziellem Aufwand - auch der Landwirte - vor Jahren flurbereinigt, um wenigstens ansatzweise die heute notwendigen Flächeneinheiten zu erhalten. Dadurch wurde eine gemarkungsüberschreitende Zusammenarbeit der Landwirte gefördert, die heute aus wirtschaftlichen Gründen - unter anderem zum sinnvollen Nutzen der notwendigen großen Landmaschinen - dringend nötig ist. Diese positiven Effekte sind durch den geplanten Straßenbau stark gefährdet, eine weitere wiederum kostenintensivere Flurneuordnung wird notwendig.

Dagegen sind bei einer Umgehungsvariante in der Neckarau wesentlich weniger Ackerflächen betroffen. Die dort vorherrschenden Wiesen werden in Zukunft mit Sicherheit eine wesentlich geringere Nutzungsintensität erfahren. Somit wird es dort wesentlich einfacher sein, einen Ausgleich für den mit Sicherheit auf allen Trassen starken Eingriff in den Naturhaushalt zu schaffen. Etwas was uns allen, Landwirten und Erholungssuchenden, in unserem dicht besiedelten Raum sehr am Herzen liegt.

Unter Einbeziehung aller Betroffenen - in einem sachlich geführten Planungsverfahren - wird sich mit Sicherheit eine vernünftige Lösung finden lassen.


Heilbronner Stimme, 31.07.02, Leserbrief von mir:

Überproduktion

Die von Obereisesheim aus systematisch betriebene Presse- und Leserbriefkampagne hat neuerdings (Leserstimmen 23.7.) den Tenor: "Fruchtbarstes Land wird zerstört". Auch wenn es für den einzelnen Landwirt schmerzhaft ist (ich komme selbst aus einer Bauernfamilie), so ist die Situation bei uns doch seit langem geprägt von Überproduktion. Auch die viel beschworene Agenda 2000 sieht deshalb eine weitere Reduzierung der Agrarpreise und zum Ausgleich eine direkte Subventionierung der Landwirtschaft vor. Die Westumgehung durchschneidet fast ausschließlich Ackerland, die Ostumgehung würde das auf mehr als der Hälfte des Verlaufs auch. Auf der restlichen Strecke durch das Neckartal würden in den Wiesen und vor allem den Hängen Naturbereiche mit einer großen Artenvielfalt zerstört, wie sie im Ackerland nie zu finden ist. Und die Untereisesheimer hätten direkt unterhalb ihres Dorfs im Neckartal über 500m Brückenbauwerk und einen Kilometer Lärmschutzwände stehen!


Heilbronner Stimme, 06.08.02, Leserbrief von Karin Lechner, Obereisesheim:


Auf eigenem Boden

Zur Ortsumgehung Untereisesheim und dem Leserbrief von Leo Michels vom 31. Juli

Ich frage mich, wie man von überflüssigem Ackerland reden kann. Die Medien sind täglich gespickt mit Meldungen von Skandalen wie Nitrofen im Getreide, Hormone im Fleisch, von BSE ganz zu schweigen. Spätestens jetzt müssten die Alarmglocken eines jeden Bürgers schrillen. Aus heimischer Produktion muss gekauft werden.

Unsere Bauern müssen unterstützt werden, Bauern, die bei uns produzieren und zwar natürlich und die Natur und ihren Kreislauf berücksichtigen, die nicht durch Überdüngung und Mästung eine Überproduktion erzeugen. Kein Stück Ackerland zu viel gibt es, schon gar keines, das durch Straßenlärm und Abgase zerstört werden darf.

Sie sprechen davon, dass die Ostumfahrung Tier und Natur zerstört, Sie auf Brückenbauwerke und Lärmschutzwände sehen müssten. Natürlich wäre es um das schöne Neckartal ebenso schade. Doch eine Straße soll her, dann muss man eben die Nachteile auch in Kauf nehmen.

Es kann doch nicht sein, dass Obereisesheim sein kostbares Ackerland opfern soll, um für Untereisesheim eine Umgehungsstraße zu bauen, für Obereisesheim sind zudem keine Lärmschutzwände geplant.

Obereisesheim hat eine Umfahrung, auf eigenem Boden. Sie sollen auch eine haben, aber auf Untereisesheimer Boden.



Heilbronner Stimme, 06.08.02, Leserbrief von Arnd Stadelmaier, Obereisesheim:


Grenzen einhalten

Der Untereisesheimer Ostrand-Bewohner wusste, dass er dereinst mit einer Umgehungsstraße in der Nähe leben muss - wie er auf seiner eigenen Website selbst einräumt. Das wussten im Übrigen alle Bewohner und Grundstückskäufer im Untereisesheimer Baugebiet "Schafhaus II".

Wenn nun als unzumutbar empfunden wird, dass an ihren Grundstücken eine Umgehungsstraße vorbeiführen wird, dann mögen sie sich daran bitte erinnern.

Im Übrigen ist es durchaus in Ordnung, wenn sie mit dieser Trassenführung nicht einverstanden sein können. Aber das Problem auf die Nachbargemarkung zu verlagern, selbst alle Vorteile einzuheimsen, Obereisesheim sämtliche Nachteile einer Umgehungsstraße zu überlassen und bei einer 1500 Meter langen Ausbaustrecke (allein auf Obereisesheimer Gelände) Obereisesheim rund 1,5 bis zwei Hektar Fläche faktisch per Zwang zu enteignen, das kann nicht mehr in Ordnung sein.

Deshalb mögen die Verantwortlichen bei allen Planvarianten einfach nur die Gemarkungsgrenzen beachten und dem geballten (Ober-)Eisesheimer Widerstand damit die Grundlage entziehen. So lange dies nicht geschieht, wird es unmöglich sein, im Westen um Untereisesheim herumzufahren.

Im Übrigen, lieber Herr Michels, fragen Sie einmal Ihren Bürgermeister, wie der an Stelle Neckarsulms - übrigens zu Recht - reagieren würde.


Heilbronner Stimme, 13.08.02, Leserbrief von mir:


Unter einem Prozent

Zum Thema "Ortsumgehung Untereisesheim:"

Da ich in zwei Leserbriefen vom 6.8. persönlich angesprochen wurde, möchte ich gerne von meiner Seite abschließend nochmals dazu Stellung nehmen.

Die Thematik "Verlust von wertvollem Ackerland" wird von Obereisesheimer Seite aus meiner Sicht maßlos übertrieben. Untereisesheim hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 262 ha. Die Obereisesheimer Zahlen sind für mich nicht ohne weiteres verfügbar (Teil von Neckarsulm). Die Obereisesheimer Markung ist aber größer als die Untereisesheimer. Wie man auch rechnet, der Verlust an Ackerland bleibt deutlich unter 1 Prozent. Liebe Obereisesheimer, da schrillen bei mir keine Alarmglocken.

Aber beide Zuschriften vom 6.8. kommen ja unisono zum gleichen Fazit: Es soll Untereisesheimer Land sein, das verbraucht wird. Den Landwirten sollte dieses Denken eigentlich fern liegen, denn Markungsgrenzen spielen bei der Bewirtschaftung der Äcker heute keine große Rolle mehr.


Heilbronner Stimme, 21.08.02, Leserbrief von Eberhard Lehr, Obereisesheim:


Viele Gründe

Zum Thema "Umgehungsstraße Untereisesheim" und den Leserbriefen von Herrn Michels

Nun ist es genug. Sie erwähnen immer nur das Ackerland, doch ihnen geht es um etwas ganz anderes. In ihrer eigenen Webseite schreiben Sie: "Aber ich will mich nicht beklagen. Als wir unseren Bauplatz kauften, waren die Umgehungsstraßenpläne schon bekannt. Pläne für eine Westumgehung gab es noch nicht. Wir haben in Kauf genommen, einmal mit der Straße leben zu müssen. Allerdings wurde vom Bürgermeister versichert, wenn die Straße käme, würde die Anstiegsstrecke vom Neckartal auf das Hochgestade als Tunnel ausgeführt."

Warum schreiben Sie das nicht? Das wäre doch völlig legitim und wir, von der EBI, könnten das akzeptieren. Ich finde das sehr schade und es dient dieser Sache in keinster Weise. Damit haben Sie noch Öl auf unsere Wunden gegossen.

Ich habe 1999 auf der Breit gebaut mit dem Wissen, dass die heutige Umgehungsstraße schon näher an meinem Grundstück verläuft als diese geplante Trasse A. Ich habe in keinster Weise einen Nachteil durch diese Straße. Gegen die Variante A sind wir aus folgenden Gründen: Keine Trennung der beiden Gemeinden durch diese Umgehungsstraße; Obereisesheim hat im Süden die Autobahn, im Osten die bestehende Umgehungsstraße und verträgt keine weitere Straße im Norden; zunehmende Verlärmung und Abgasbelästigung durch die Trasse A für Unter- und Obereisesheim; im Vergleich beider Trassen wird wertvolleres Gebiet "zerstört". Überlässt man beide Trassen dem natürlichen Wachstum, gibt die Neckaraue nicht mehr her, als sie heute schon hat. Auf der Trasse A haben wir Ackerboden mit bis zu 95 Punkten, ein Feuchtbiotop kurz vor dem Dornetwald und ein ideales Rückzugsgebiet für Tier und Mensch.


Herr Lehr hatte mir schon 31.07. per Mail mitgeteilt: "Ich möchte Ihnen hier auf Ihren, nun schon zweiten, Leserbrief antworten, denn wenn ich das über die HST brächte, würden Sie sich ganz schön blamieren." Jetzt hat er es also wahr gemacht. So eine Blamage! Schade, dass ich mir vorgenommen habe, das Spielchen nicht mehr weiter zu treiben.