30.11.02

Trasse F (Vorschlag Neckarsulm)


Jetzt ist es also da, das Neckarsulmer Gegengutachten (siehe unten). Die Aussage ist wie erwartet ganz im Sinne der Auftraggeber. Bei näherem Hinsehen werden hochgesteckte Erwartungen aber kaum erfüllt: Die neu vorgeschlagene Trasse F hinterlässt den schalen Beigeschmack, als habe der Gutachter für sein Geld unbedingt eine eigene Variante an den Haaren herbeiziehen wollen. "Ein Königsweg existiert nicht", entschuldigt er sich, und wiederholt größtenteils schon oft gehörte Argumente.

Außer dem Teilstück durch das Neckartal ist das Problem ganz auf Wimpfener Markung verschoben worden. Ein teuerer und nur aus straßenbautechnischen Gründen erforderlicher Tunnel unter dem Mittelberg ist hinzugekommen. Die "Trasse F" würde vermutlich nochmals deutlich teurer werden, als die seitherige "optimierte" Ostumgehungsvariante, die als unfinanzierbar gilt. Die Dammlösung, die hier als Vergleich herangezogen wird, wurde ja schon lange einhellig von allen Seiten als unakzeptabel angesehen. Der Vorschlag einer Teilgalerie für Untereisesheim ist wahrhaftig nicht neu, sondern war in der "teuren" Variante der Ostumgehung bisher auch schon enthalten - an Stellen, wo eine Realisierung möglich ist.

Man kann überhaupt den Eindruck gewinnen, als habe der Gutachter die Situation vor Ort überhaupt nicht in Augenschein genommen: Die angepriesene Teilgalerie kann vielleicht auf 200m Länge realisiert werden, aber keineswegs unterhalb von Kressgraben und Friedhof, auch nicht am Sportheim und unterhalb der Schule. Dann führt der neue Trassenverlauf unnötigerweise am Hang entlang weiter, direkt in die ehemalige Müllkippe von Untereisesheim hinein, und danach sogleich in einen extrem nassen und quellenreichen Hangabschnitt, was sicher nochmals zur Erhöhung der Baukosten führen würde. Ganz davon abgesehen, dass es schade um dieses seltene Biotop mit Kalksinterquellen wäre.



Die Heilbronner Stimme berichtete heute aus dem Neckarsulmer Gemeinderat:


Neues Gutachten in Neckarsulm vorgelegt

Umgehungsstraße doch im Osten?

Von Barbara Barth

Die Spannung war groß, der Ratssaal in Neckarsulm proppevoll: Das Gutachten zur geplanten Umgehungsstraße Obereisesheim- Untereisesheim-Bad Wimpfen vom Stuttgarter Büro Wick + Partner fand große Aufmerksamkeit. Es spricht sich eindeutig für eine Ostumfahrung von Untereisesheim aus. Die im raumordnerischen Verfahren vom Regierungspräsidium favorisierte Trasse A im Südwesten (wir berichteten) wird abgelehnt.

Entwicklungsansprüchen, Siedlungsentwicklung, Erholungsvorsorge werde bei der Trasse A zu wenig Gewicht beigemessen, heißt es. Sie entspricht nicht den Zielen der Regional- und Landesplanung. Die Varianten A bis C sind in der Bewertung durch das RP außerdem ungleich behandelt.

Die Variante A vernachlässige die Sicherung von Freiräumen, die Freihaltung von Grünzügen und Grünzäsuren. Im mittlerweile rechtskräftigen Landesentwicklungsplan 2002 wird der Verdichtungsraum Heilbronn bis Bad Wimpfen ausgedehnt. Dies verstärke, so Professor Roland Wick, den Bedarf an Erholungs- und Freiräumen. Es sei eine "Fehleinschätzung", wenn in der raumordnerischen Abstimmung des RP behauptet werde, die Trasse A lasse nach wie vor einen großen zusammenhängenden Freiraum übrig. Gerade die diagonale Durchschneidung durch die Variante A führe zur "größtmöglichen Zerschneidung und Zerstörung des besonders wertvollen Landschaftsraums." Die favorisierte Trasse A habe gravierende Nachteile. Das Gutachten bezeichnet sie als "nicht zu behebenden Eingriff in die Entwicklungsperspektiven von Ober- und Untereisesheim. Die Kosten erscheinen deshalb in der Variante A als besonders günstig, weil die absehbaren Beeinträchtigungen hier nicht berücksichtigt sind.

Ein "straßentechnisches Unikum" nennt Roland Wick den in der Variante B geplanten Damm samt Lärmschutzwand am Neckar. Beides zusammen rund zehn Meter hoch. Die Variante hätte so nicht ins Verfahren eingebracht werden dürfen, weil sie von vornherein für eine Gemeinde absolut unannehmbar war. Bürgermeister Klaus Grabbe: "Auch der Neckarsulmer Gemeinderat hätte ein solches Monstrum mit Sicherheit abgelehnt." Wick + Partner schlagen an dieser Stelle statt einer Trasse auf der Hangkante eine in die Hangkante integrierte Trasse F vor: eine "halbe", begrünte Teilgalerie mit einer Lärmschutzwand oder einem Überschwemmungsschutz zur Aue hin. "Ein Königsweg existiert nicht", räumt der Planer ein. Aber in der Abwägung der Trassen untereinander werde mit der Variante F die Belastung für Ober- wie für Untereisesheim "nachhaltig minimiert". Gemeinderat und Zuhörer zollten dieser Lösung einhellig Lob.

In Gesprächen mit den Partnerkommunen möchte Neckarsulm "auf planerischer Ebene eine gemeinsame Lösung" suchen. Am 12. Dezember ist ein Besuch bei Regierungspräsident Udo Andriof geplant.


[Abbildungen: Heilbronner Stimme, 30.11.02]





Beifall gab es für das neue Gutachten am 04.12.02 wieder mal als Leserbrief in der Heilbronner Stimme. Diesmal war H. Alfons Bender aus Obereisesheim an der Reihe und meinte, der Regierungspräsident sollte keine andere Möglichkeit sehen, als diesem Vorschlag zuzustimmen.