28.01.04


Mit Spannung warten alle "Eisesheimer" auf den weiteren Gang der Dinge. Am 27 Januar gab es vom Regierungspräsidium in Stuttgart eine Pressemitteilung, die praktisch wörtlich auch von der Heilbronner Stimme unter dem Titel "Die Trasse A bleibt Udo Andriofs Nummer eins" abgedruckt wurde.

Weitere Details des Gutachtens können hier nachgelesen werden.

Regierungspräsidium stellt Verkehrsuntersuchung für Umfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim vor

Andriof: Gutachten ist wichtige Entscheidungsgrundlage für weitere Planung

Die verkehrswirtschaftliche Untersuchung für die verschiedenen Umfahrungstrassen von Bad Wimpfen und Untereisesheim liegt nun auf dem Tisch. Regierungspräsident Dr. Udo Andriof hat das Gutachten am heutigen Dienstag den betroffenen Bürgermeistern (Oberbürgermeister Blust, Neckarsulm, sowie den Bürgermeistern Brechter, Bad Wimpfen, und Weigelt, Untereisesheim) vorgestellt. Auch die Herren Landtagsabgeordneten Gall und Lasotta sowie Herr Landrat Czernuska waren bei dem Gespräch anwesend.

Wichtigstes Ergebnis: Ein durchgehend neuer Straßenzug ab der Landesstraße L 530, der die Wimpfener Stadtteile weiträumig südlich umfährt und zwischen Untereisesheim und Obereisesheim an die L 1100 anschließt, hat in Verbindung mit einer Querspange zur Neckarquerung der L 1100 in Bad Wimpfen im Tal die größte verkehrliche Entlastungswirkung für die betroffenen Ortsdurchfahrten.

Wie der Regierungspräsident betonte, war die im vergangenen Jahr erarbeitete neue Analyse und Prognose der Verkehrssituation auf das Planjahr 2015 erforderlich geworden, weil das in einer Untersuchung aus dem Jahr 1992 für das Jahr 2010 prognostizierte Verkehrsaufkommen mittlerweile bereits erreicht bzw. überschritten wurde. Für Andriof ist es im Interesse einer sachgerechten, nachvollziehbaren Abwägung zudem unerlässlich, dass alle Trassenvorschläge - und damit auch die weiteren, in die Diskussion eingebrachten Varianten - hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit nach einheitlichen Maßstäben verglichen und bewertet werden.

Die breit angelegte Untersuchung erstreckte sich auf drei grundsätzliche Trassenalternativen, wobei im Einzelnen insgesamt 18 Varianten zu unterscheiden waren. Diese Alternativen sowie das methodische Vorgehen und die jeweiligen verkehrswirtschaftlichen Vor- bzw. Nachteile der verschiedenen Planungsvorschläge wurden im Verlauf der informellen Gesprächsrunde vom Ingenieurbüro Dr. Bender + Stahl näher erläutert.

Danach wird die verkehrliche Entlastungswirkung der bestehenden Ortsdurchfahrten bei den verschiedenen Varianten maßgebend von dem hohen Anteil des Durchgangsverkehrs bestimmt. Deshalb, so das Fazit des Gutachters, schneidet eine durchgehend neue Trasse, die Bad Wimpfen und Untereisesheim südlich umgeht und nördlich des Neckarsulmer Stadtteils Obereisesheim in die bestehende L 1100 übergeht, in verkehrlicher Hinsicht eindeutig am besten ab. Kostengründe, d.h. die wirtschaftlichen Aspekte, sprechen ebenfalls für diese Lösung.

Für den Regierungspräsidenten ist das Gutachten ein wichtiger Bestandteil der notwendigen umfassenden Gesamtabwägung, in der - neben den verkehrswirtschaftlichen Gesichtspunkten - weitere Aspekte wie Lärm- und Schadstoffsituation, Städtebau, Ökologie und Umweltverträglichkeit zu bewerten sind. Nachdem auch diese Untersuchungen inzwischen weit fortgeschritten sind, geht der Regierungspräsident davon aus, dass die betroffenen Gemeinden voraussichtlich im März/April über das Gesamtergebnis und die daraus ermittelte Vorzugstrasse unterrichtet werden können.

Anschließend soll unverzüglich die technische Entwurfsplanung in Angriff genommen werden mit dem Ziel, den Genehmigungsentwurf nach Anhörung der Träger öffentlicher Belange möglichst bis Ende 2004 dem Landesverkehrsministerium zur Genehmigung vorzulegen. Das Planfeststellungsverfahren für die im Generalverkehrsplan des Landes vordringlich eingestufte Maßnahme könnte dann im kommenden Jahr eingeleitet werden.


So weit so gut aus unserer "Untereisesheim-Nord/Ost-Sicht".

Dass sich allerdings an der kompromisslosen Haltung der reichen Stadt Neckarsulm nichts geändert hat, wurde vor einigen Tagen am Rande der Beratung des Haushaltsplans 2004 deutlich. Die Heilbronner Stimme berichtete am 24. Januar:

Striktes Nein zur westlichen Umfahrung

Investitionen von mehr als drei Millionen Euro sieht der Haushaltsplan 2004 der Stadt Neckarsulm für den Stadtteil Obereisesheim vor. Dieses Engagement der Stadt würdigten die Sprecher der im Ortschaftsrat vertretenen Parteien in ihren Haushaltsreden mit Dank und Anerkennung.

Wunschlos glücklich waren die Ortschaftsräte dennoch nicht. "Der größte Wunsch aller Bürgerinnen und Bürger von Obereisesheim ist, dass die geplante Westumfahrung von Untereisesheim nie zustande kommt", stellte der Sprecher der CDU, Werner Weybrecht, fest. "Deshalb gilt es auch 2004, mit allen Mitteln dagegen zu kämpfen."

Die Sprecherin der SPD, Inge Maysack, befürchtete, dass "im Hintergrund bereits die Weichen gestellt sind - leider nicht so, wie von der Obereisesheimer Bevölkerung gewünscht." Daher urteilte die Ortschaftsrätin: "Dann bleibt wohl nur der beschwerliche Weg über die Gerichte, um hier Schlimmeres für Obereisesheim zu verhindern." (snp)

Ganz in diesem Sinn fiel auch die Stellungnahme aus Neckarsulm zur obigen Presseerklärung aus. Eisenharte Kompromisslosigkeit und die Überzeugung, es besser zu wissen als Regierungspräsidium und Straßenbauamt, klingen immer wieder durch. Alles in allem also nichts Neues.

Wimpfens Bürgermeister Brechter ist, wie wir Nord/Ost-Untereisesheimer, ganz zufrieden mit der Entwicklung der Dinge.

Untereisesheims Bürgermeister Weigelt kann die Disussion inzwischen aus zwei Gründen entspannt verfolgen: Zunächst ist natürlich jede Umgehungsstraße besser als gar keine. Und dann wird er persönlich die entscheidenden Kämpfe nicht mehr auszufechten haben, da er zur Bürgermeisterwahl im März nicht wieder antreten wird.

Heilbronner Stimme, 29.01.2004

Neckarsulm verstimmt und Wimpfen zufrieden

Die Stadt Neckarsulm wird sich auch im weiteren Verfahren gegen die vom Regierungspräsidium Stuttgart weiterhin favorisierte Westumfahrung (Trasse A) zur Wehr setzen." Dies erklärten Oberbürgermeister Volker Blust und Bürgermeister Klaus Grabbe nach der Vorstellung der "verkehrswirtschaftlichen Untersuchung ", welche das Büro Bender & Stahl im Auftrag des Regierungspräsidiums durchgeführt und den drei betroffenen Kommunen vorgestellt hatte. Die Stadt werde sich jetzt intensiv mit dem Untersuchungsergebnis auseinandersetzen, auch mit der "ökologischen Untersuchung", die in Kürze vorliegen soll.

Aus Sicht der Verwaltungsspitze war die Untersuchung wohl von vornherein darauf angelegt, der von der Stadt Neckarsulm geforderten Ostumgehung von Untereisesheim keine Chance zu geben, obwohl diese nach einem externen Gutachten des Büros Wick & Partner gegenüber der Westumfahrung deutliche landschaftsraumbezogene und siedlungsstrukturelle Vorteile aufweist und vor allem auch den inhaltlichen Zielen der Raumordnung und Landesplanung entspricht.

Die Kosten können nach Meinung von Volker Blust und Klaus Grabbe nicht das entscheidende Kriterium sein, zumal sie auch Zweifel daran hegen, ob die für die Westumgehung ermittelten geringeren Kosten alle zu berücksichtigenden Faktoren enthalten.

"Im übrigen dürfte man auch eine Unterstützung der Wahlkreisabgeordneten und des Landkreises erwarten, der von dem erfolgreichen Wirtschaftsstandort Neckarsulm erheblich profitiert."

Gestern wurden der Ortsvorsteher von Obereisesheim sowie die Sprecher der Bürgerinitiative von Obereisesheim von der Verwaltungsspitze über die Haltung der Stadt informiert, die eine Durchsetzung der Westumfahrung letztlich auch auf dem Klageweg verhindern will. Die Ortsumgehung wird heute abend auch Thema in der Sitzung des Gemeinderats ab 16 Uhr sein.

"Das vordringliche Anliegen der Stadt Bad Wimpfen ist die für die örtliche Wohn- und Lebensqualität sowie für die Erhaltung des Prädikats Heilbad erforderliche Verkehrsentlastung durch die Ortsumgehung zu erreichen", nennt Bad Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter das Hauptanliegen der Stauferstadt in dieser bereits viele Jahre dauernden Verkehrsdebatte.

Das Ergebnis der nunmehr in Stuttgart vorgestellten verkehrswirtschaftlichen Untersuchung der unterschiedlichen Varianten für die Umfahrung von Bad Wimpfen bestätige die bisherigen Erkenntnisse.

Die nach dieser Untersuchung favorisierte Variante würde eine Gesamtverkehrsentlastung von 61,5 Prozent ergeben. Brechter: "Dies ist insbesondere angesichts der für das Jahr 2015 prognostizierten Verkehrsbelastung von bis zu 24 500 Fahrzeugen in 24 Stunden in Bad Wimpfen am Berg, die durch die Umfahrung auf 14 400 Fahrzeuge im Bereich Schied reduziert werden könnte, für die Stadt Bad Wimpfen von existenzieller Bedeutung." Immerhin steht das Heilbadprädikat der Stauferstadt durch die Verkehrsbelastung auf dem Prüfstand.

Die verkehrswirtschaftliche Untersuchung komme leider zu dem Ergebnis, dass die von der Stadt Bad Wimpfen im Bereich des Hetzenbergs geforderte östliche Umfahrung deutlich teurer ist und nicht die gleiche Entlastung wie die nunmehr vorgeschlagene Variante bringt. Nach Vorliegen der detaillierten Gutachten werde sich die Stadt Bad Wimpfen mit der nun vorgeschlagenen Variante im Rahmen der Anhörung der Träger öffentlicher Belange nochmals intensiv auseinandersetzen.

Der jetzige Stand der Untersuchung und die durch die vorgeschlagene Trasse mögliche Verkehrsentlastung sowie der von Andriof geschilderte weitere Verfahrensablauf sei im Hinblick auf die Problemlage in Bad Wimpfen "in jedem Fall positiv zu bewerten".

Hauptsache, die Umfahrung kommt voran

In Untereisesheim ist Bürgermeister Karlheinz Weigelt generell froh, "dass es weitergeht". "Die Verkehrsbelastung wird sich bis 2015 noch um 30 Prozent steigern - das ist unzumutbar für den Ort." Ursprünglich war die Ostumfahrung die von Untereisesheim favorisiert Variante gewesen. Schon 1998 hatte der Rathauschef gesagt: "Wir haben unsere Siedlungspolitik auf eine Ostumfahrung gerichtet." Doch die Neckargemeinde ist flexibel: "Wir können allerdings auch gut mit der Variante West leben", so der Schultes aktuell.

Obwohl die Beurteilung der Baukosten und der ökologischen Folgen noch nicht abschließend behandelt wurde, zeichne sich ab, dass die Haltung des Regierungspräsidiums die Gleiche bleiben werde. Der Rathauschef geht davon aus, dass voraussichtlich im Jahr 2005 das Planfeststellungsverfahren erfolgt.