31.01.2004


Nachdem die Gegner der Westumgehung mit der reichen Stadt Neckarsulm im Rücken nach der Übergabe des neuesten verkehrswirtschaftlichen Gutachtens des Regierungspräsidiums ihre Felle davonschwimmen sehen, wurde am Samstag, 31.01.04 in der Heilbronner Stimme ein Artikel und ein Kommentar veröffentlicht, die ich nur als üble Stimmungsmache bezeichnen kann. Bitte lesen Sie selbst. Hier vorab meine Stellungnahme dazu:


Heilbronner Stimme, 31.01.2004

"... und Untereisesheim geht baden"

Von Barbara Barth

Nur zwei Tage hat es gedauert, bis die ganze Brisanz sichtbar wurde, die in dem Gutachten des Regierungspräsidiums zur Umgehungsstraße Bad Wimpfen/Untereisesheim steckt (wir berichteten). Neckarsulms Bürgermeister Klaus Grabbe deckte sie auf.

Die vom RP favorisierte und von Neckarsulm abgelehnte Trasse A (Westumfahrung) soll nämlich in zwei Bauabschnitte aufgeteilt werden. Der erste sieht den Straßenbau zwischen Ober- und Untereisesheim hindurch Richtung Bad Rappenau vor, den zweiten bildet die Querspange nach Wimpfen im Tal, zur Neckarbrücke und B 27. Bis zum Dienstag, als das verkehrswirtschaftliche Gutachten in Stuttgart als dicker Wälzer den beteiligten Kommunen präsentiert wurde, ging jeder davon aus, dass dies eine Gesamtmaßnahme wäre, die nach den Berechnungen des Straßenbauamts 36 Millionen Euro kosten würde. Von dieser Lösung erhoffte sich auch Untereisesheim eine Entlastung. Jetzt aber teilt das RP das Projekt in zwei Teile: In die "billige Straße" für 16 Millionen und in die "teure Querspange" für 20 Millionen Euro. Die Krux daran: Schon der erste Bauabschnitt sichert Wimpfen nach Ansicht Grabbes das Kur-Prädikat. "Da darf man doch die Frage stellen, ob der zweite Bauabschnitt dann jemals kommt", meinte der Baubürgermeister der Großen Kreisstadt.

Angesichts der Finanzlage des Landes "sind Zweifel erlaubt". Zumal es in dem Gutachten lapidar heißt: "Als weiterer Bauabschnitt wird die Querspange vorgeschlagen." Diese Formulierung spricht nach Grabbes Meinung, Bände. Wenn die Planung nach den Vorstellungen des RP realisiert wird, hat die Umgehungsstraße zwei Verlierer: Obereisesheim, das von vorn herein für eine Ostumfahrung am Neckar entlang war, und ganz massiv nun auch Untereisesheim. Denn ohne Quertrasse verbleibt der gesamte Durchgangsverkehr aus Richtung Bad Wimpfen im Tal im Ort.

Und zusätzlich bekommen die südlichen Neubaugebiete der Gemeinde - wie Obereisesheim auch - noch 17 000 Fahrzeuge täglich auf der neuen Trasse A als Belastung. Nach diesen Ausführungen hielten die Neckarsulmer Stadträte mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. "Das ist eine neue Strategie", folgerte CDU-Rat Herbert Emerich. "Das erste Ziel wird erreicht (Kur-Prädikat). Da wartet die Quertrasse bis zum St. Nimmerleinstag. Das sollte Untereisesheim begreifen."

Der Gemeinderat forderte, die Vorteile des Neckarsulmer Gutachtens zu einer Ostumfahrung künftig stärker herauszustellen. SPD-Stadtrat Kurt Bauer möchte die "vornehme Zurückhaltung aufgeben". "Die Belange von 4000 Obereisesheimern werden unter den Teppich gekehrt, wenn die Trasse A kommt", erregte er sich. Wenn der Wimpfener Bürgermeister die Wohn- und Lebensqualität seiner Bürger sichern möchte, gelte das für Obereisesheim wohl nicht? "Hat der Brechter Scheuklappen auf?" fragte Bauer erzürnt. Kurz und knapp brachte es SPD-Rat Roland Stammler auf den Punkt: "Wimpfen bleibt Bad und Untereisesheim geht baden."

Neckarsulm bezweifelt, dass alle Aspekte der verschiedenen Trassen wirklich gleichberechtigt verglichen worden sind. Vor allem, wie sich die Kosten zusammen setzen, blieb unklar. "Sicher ist", so Grabbe, "dass in der Westumfahrung keine einzige Kreuzung für landwirtschaftlichen Verkehr eingeplant ist." Im übrigen könne von vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den technischen Ämtern keine Rede sein.

"Es gibt noch viel zu hinterfragen", meinte auch Oberbürgermeister Volker Blust. Neckarsulm werde an dem Thema kräftig arbeiten, sein Fachbüro Wick + Partner einschalten und sich "notfalls auf dem Klageweg wehren". Das ökologische Gutachten steht noch aus, aber "es scheint in die gleiche Richtung zu gehen", meinte Blust. "Wir haben den Eindruck, dass nur bestätigt werden soll, was das Regierungspräsidium immer schon wollte."


Kommentar:

Niete gezogen

Von Barbara Barth

Das hat sich Untereisesheim sicher anders vorgestellt. "Hauptsache, die Umgehung kommt voran" hat Bürgermeister Karlheinz Weigelt noch vor zwei Tagen gesagt. Aber da hatte er wohl das Gutachten noch nicht studiert. Denn er hat eine Niete gezogen. Wimpfen bekommt die Trasse A, behält sein Kur-Prädikat und Untereisesheim den Durchgangsverkehr. Es wäre geradezu blauäugig zu glauben, dass das finanziell kränkelnde Land Baden- Württemberg eine Umgehung für 16 Millionen baut, dadurch das Ziel der Entlastung Wimpfens erreicht und dann generös die teure Querspange mit Tunnel noch baut, weil Untereisesheim auch was haben soll. Die Zweifel, die die Neckarsulmer an diesem Procedere hegen, sind nur zu berechtigt. Wenn es heißt, dass die Westumfahrung 36 Millionen und die von Neckarsulm favorisierte Ostumgehung 42,5 Millionen kostet, dann müssen diese Kosten transparent dargelegt sein. Man kann nicht bei der einen Trasse, nur damit sie schön billig wird, alles weglassen, was sich verteuernd auswirkt. Und bei der anderen alles einrechnen, was die Kosten in die Höhe treibt. Da nach dem Strategiewechsel des Regierungspräsidiums nicht nur Neckarsulm sondern auch Untereisesheim zu den Verlieren zählt, wäre gemeinsames Handeln beider Kommunen ratsam. Bad Wimpfen, das keinerlei Nachteile zu befürchten hat, mit einzubinden wäre nicht falsch. Dabei könnte sich Bernhard Lasotta nicht nur als Wimpfener Gemeinderat sondern auch als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Neckarsulm nützlich machen.