05.02.04


Für die Eisesheimer Bürgerinitiative nahm dieses Mal Jürgen Röger aus Obereisesheim Stellung zu den in den letzten Tagen bekannt gewordenen Neuigkeiten aus Stuttgart.

Heilbronner Stimme, 05.02.2004

Katze aus dem Sack

Zum Thema "Umfahrung von Bad Wimpfen / Untereisesheim"

Bad Wimpfen schafft es, mit Hilfe seiner vorzüglichen Kontakte nach Stuttgart, durch die Umfahrung der Berg-Stadt, sein gefährdetes Heilbad-Prädikat zu retten. Mit einer abgespeckten Variante A (ohne Querspange ins Tal) wird das Problem elegant auf überwiegend fremder Gemarkung von Unter- und Obereisesheim gelöst.

4400 Obereisesheimer zählten von Beginn an zu den "Verlierern". Pikanter Weise kommen nun unfreiwillig noch Wimpfens "Talstädter" und 3900 Untereisesheimer hinzu, welchen schonungslos vor Augen geführt wird, wessen Interessen hier Vorrang haben.

Untereisesheims scheidender Bürgermeister Weigelt muss sich am Ende seiner erfolgreichen Amtszeit eingestehen, dass er aufs falsche Pferd gesetzt und wesentlichen Anteil daran hat, dass durch jahrzehntelanges Taktieren, seine geplagten Bürger nicht längst eine Umfahrung im Osten haben. Denn eines wird jetzt klar: Die "ungeliebte" Nachbarstadt Neckarsulm vertritt nicht nur die Interessen ihres Stadtteils Obereisesheim, sondern hat mit ihren Vorschlägen stets auch das große Ganze im Auge behalten. Bei beiden Ostvarianten bleibt, ungeachtet der nun ausgeklammerten Querspange in Wimpfen, die Entlastung für Untereisesheim uneingeschränkt erhalten.

Die "Unverantwortlichen" in Stuttgart haben sich offensichtlich festgelegt! Die "abgespeckte" Trasse A soll, unter Schonung der Landesfinanzen und der Missachtung der eigenen Regionalplanung, ohne Rücksicht auf die Einwohner der beiden Eisesheims, durchgeboxt werden. Um dieses Desaster noch zu verhindern, hilft jetzt nur noch schnelles und gemeinsames Handeln. Die ortsübergreifende "Eisesheimer Bürgerinitiative gegen die Südwestumfahrung" hat es auf Bürgerebene vorgemacht, es bleibt nur wenig Zeit für die gewählten Vertreter beider Gemeinden schnellstens nachzuziehen.

Jürgen Röger,
Neckarsulm-Obereisesheim

Der Leserbrief ist mehr oder weniger eine Wiederholung der von Barbara Barth am 28.01. in ihrem Kommentar dargestellten Position. Die neue Strategie der EBI ist klar zu erkennen: Da das Regierungspräsidium inkompetent und voreingenommen ist, soll der politische Druck gegen die Trasse A durch eine Solidarisierung von Untereisesheim mit Obereisesheim / Neckarsulm erhöht werden. Dabei werden wohl Hoffnungen auf den im März neu zu wählenden Bürgermeister von Untereisesheim gesetzt.

Liebe Obereisesheimer: Von den Auswirkungen der Trasse A sind sicher deutlich weniger als 10% Euerer Einwohner direkt betroffen. Trotzdem glaube ich gern, dass die große Mehrheit der Obereisesheimer Bevölkerung gegen die Trasse A ist. Hiermit erhebe ich aber meine Stimme und sage klar und deutlich, dass Ihr das von Untereisesheim nicht behaupten könnt. Die vielen Leute, die am Rand zum Neckartal und am nördlichen Ortsrand wohnen, sind sicher nur schwer in Euer Boot zu bekommen. Verstärkung bekommen sie auch noch, wenn in den nächsten Jahren das neue Baugebiet "Schafbuckel" besiedelt wird.


Am 12. oder 13.02. waren in der Heilbronner Stimme noch einmal drei Leserbriefe abgedruckt, zwei aus Obereisesheim, einer aus Untereisesheim. Leider hat meine Frau die Zeitung schon entsorgt, bevor ich scannen konnte. Hallo Freunde von der EBI, wer schickt mir eine Kopie?


Und weiter ging es mit der öffentlichen Diskussion in Form von Leserbriefen in der Heilbronner Stimme vom 21.02.04. Ein ganz besonderer Beitrag, dem eine eigene Seite gewidmet ist, kam von der EBI. Aber auch Leute aus Wimpfen wollen nicht alle Behauptungen unwidersprochen stehen lassen:


Experten unter sich

Zur Umgehungsstraße Obereisesheim / Untereisesheim / Bad Wimpfen:

Es ist schon erstaunlich wie viele Verkehrs- und Umweltexperten in Obereisesheim wohnen. Da wird ernsthaft behauptet, der erste Bauabschnitt der Umgehungsstraße komme nur Bad Wimpfen entgegen, um ihr Heilprädikat zu erhalten. An eine verbesserte Wohn- und Lebensqualität der Bürger denkt dabei niemand. Respekt allen Experten! Dann brauchen wir ja kein Umweltgutachten mehr, wenn das Ergebnis aus Obereisesheimer Sicht schon fest steht. Diese Einschätzung ist aber falsch.

Die Entlastung ohne Querspange zur Neckarbrücke mit Anschluss an die B 27 bringt bei weitem nicht die gewünschte Entlastung der Bergstadt. Ohne Querspange erfolgt für die Bewohner im Tal kaum eine Entlastung. Nur mit der Querspange kann der Verkehr von der Autobahn aus Bonfeld und Heilbronn kommend mit Zielrichtung B 27 abgefangen werden. Ohne die Querspange würde dieser weiterhin durch die Bergstadt, das Tal und Untereisesheim fahren. Das ist unter anderem ein Grund, warum nur eine Gesamtlösung oder ein zeitnaher zweiter Bauabschnitt der Querspange im Interesse von Bad Wimpfen sein kann.

Ein weiterer Grund: Nur mit einer Gesamtlösung kann der Schwerlastverkehr aus Bad Wimpfen und Untereisesheim mit einem Durchfahrtsverbot herausgehalten werden. Das geht rechtlich nur dann, wenn eine ortsnahe Umgehungsstraße vorhanden ist. Zu der Aussage, man würde mit der geplanten Trasse Obereisesheim "überfahren", sei folgendes gesagt:

Rund 50 Prozent der Straße würden über Wimpfener Gemarkung führen, 30 Prozent über Untereisesheimer und 20 Prozent über Obereisesheimer Gemarkung. Von einer "Überfahrung" kann hier wahrlich nicht die Rede sein. Und weil die Obereisesheimer nicht mit Polemik sparen, will auch ich etwas dazu beitragen. Es sei die Frage erlaubt:

Wo bleibt der Protest der Eisesheimer, wenn im Sommer bis spät in die Nacht, sieben Tage die Woche, Hunderte von Autos auf die Waldschenke fahren? Da wird Obereisesheim tatsächlich überfahren.

Alexander Bergtold, Wimpfen



Schließlich konnte ich es mir nicht verkneifen, mich auch mal wieder in die Diskussion einzumischen. Der Beitrag erschien - etwas gekürzt - am 26.02.04 in der Heilbronner Stimme:


RP unparteiisch

Zur geplanten Ortsumgehung Untereisesheim:

Aus den Reihen der Eisesheimer Bürgerinitiative (EBI) wird derzeit behauptet, der zweite Bauabschnitt der Westumfahrung, d.h. die Querspange zur Wimpfener Neckarbrücke solle aus Kostengründen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Da die Stadt Neckarsulm wild entschlossen ist, gegen die realisierbare Westumfahrung (Trasse A) zu prozessieren, wird wohl die ganze Umgehungsstraße für Untereisesheim in absehbarer Zeit nicht gebaut werden können.

Neckarsulm und EBI werfen dem Regierungspräsidium Voreingenommenheit vor. Ich gehe davon aus, dass dieses Amt unparteiisch ist, wenn es sich für Trasse A ausspricht. Der zweite Vorwurf in Richtung Stuttgart ist der der Inkompetenz, weil das Neckarsulmer Gegengutachten (Trasse F) nicht genügend gewürdigt würde. Dabei enthält Trasse F nicht nur einen Tunnel, sondern zwei. Wenn nun behauptet wird, der teuere einzelne Tunnel in der Querspange von Trasse A verhindere den Vollausbau dieser Variante, dann wird die ganze Inkonsequenz der EBI/NSU-Argumentation sichtbar.

In Anbetracht der bevorstehenden Bürgermeisterwahlen in Untereisesheim hat die Eisesheimer Bürgerinitiative ihre Strategie von "Ackerland wird vernichtet" auf "Untereisesheim ist der Dumme" umgestellt, wohl in der Hoffnung, dass der neue Bürgermeister die bisherige, pragmatische Position von Untereisesheim (pro Trasse A) revidieren könnte.

Leo Michels, Untereisesheim