26.02.2004


Erforderliche Realisierungschancen.

Nach der schnellen und äußerst heftigen Reaktion aus Neckarsulm-Obereisesheim auf das verkehrwirtschaftliche Gutachten des Regierungspräsidiums meldeten sich jetzt mit etwas Verzögerung auch Bad Wimpfen und Untereisesheim zu Wort:


Heilbronner Stimme, 25.02.2004

Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter zur Umgehung von Untereisesheim und Bad Wimpfen

Weiterhin um Sachlichkeit bemüht

Von Rudolf Landauer

Teilweise mit heißer Nadel wurden die geplanten Varianten zur Umfahrung der Gemeinden Untereisesheim und Bad Wimpfen gestrickt. Vor allem aus Neckarsulm und Obereisesheim kam und kommt starker Widerstand.

Die Variante A, die zwischen den beiden Nachbarorten Ober- und Untereisesheim von der L 1100 abzweigt und nach Norden Richtung Wimpfen verläuft, ist den Nachbarn ein Dorn im Auge.

Um Sachlichkeit ist Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter bemüht. Jetzt gab er zu der verkehrswirtschaftlichen Untersuchung des Regierungspräsidiums eine umfangreiche Stellungnahme ab.

Zusammen mit seinen Kollegen Karlheinz Weigelt Untereisesheim und Oberbürgermeister Volker Blust aus Neckarsulm sowie dem Heilbronner Landrat Klaus Czernuska und den Abgeordneten des Landtags, Bernhard Lasotta und Reinhold Gall, nahm Brechter vor wenigen Tagen an dem Vorstellungstermin beim Regierungspräsidenten Udo Andriof teil. Für Andriof ist das Gutachten eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die weitere Planung.

Als wichtigstes Ergebnis interpretierte der Regierungspräsident die Aussage, dass ein durchgehend neuer Straßenzug ab der Landesstraße L 530, der die Wimpfener Stadtteile weiträumig südlich umfährt und zwischen Untereisesheim und Obereisesheim an die L 1100 anschließt, in Verbindung mit einer Querspange zur Neckarquerung der L 1100 in Bad Wimpfen im Tal die größte verkehrliche Entlastungswirkung für die betroffenen Ortsdurchfahrten hat.

Bürgermeister Claus Brechter sieht jetzt dringenden Handlungsbedarf, denn neueste Untersuchungen sagen aus, dass die Verkehrsbelastung etwa in der Schiedstraße von derzeit 20 000 auf 24 500 Fahrzeuge pro Tag anwachsen wird. Eine Umgehungsstraße wie im Foto vereinfacht dargestellt, wird die Gemarkungen Bad Wimpfen und Untereisesheim flächenmäßig stark belasten. Brechter dazu: "Diese Nachteile müssen als geringeres Übel in Kauf genommen werden, um die ungebremst wachsende Zunahme der Verkehrsbelastung und die damit sich verschärfende Einschränkung von Wohn- und Lebensqualität zu mildern", so das Stadtoberhaupt.

Brechter verkennt nicht, dass durch die Maßnahme auch andere Gemarkungen betroffen sind. In Wimpfen sieht man den großen Unterschied aber darin, dass bei einer neu zu bauenden Straße im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens sehr wohl die Belange der Anwohner in adäquater Weise Berücksichtigung finden, während diese Rücksichtnahme bei unkontrollierten Verkehrszunahmen in keinster Weise erfolgt.

Die Verkehrsproblematik, die durch die angestrebte Umgehung von Untereisesheim und Bad Wimpfen gelöst werde, sei für den gesamten Raum positiv, betonte Brechter. Nachvollziehbar sei auch die Realisierung in zwei Abschnitten, jedoch sollten diese sehr zeitnah erfolgen, da nur die Kombination beider Abschnitte den möglichen Entlastungsumfang ermöglicht, so Brechter. "Bad Wimpfen hat keine andere Alternative, als die Variante zu akzeptieren und zu unterstützen, die nach den objektiven Untersuchungsergebnissen neben der benötigten Entlastungswirkung auch die erforderliche Realisierungschance hat."




Heilbronner Stimme, 26.02.2004

Thema Ortsumfahrung verursachte im Untereisesheimer Gemeinderat Diskussionen: Täglich rauschen 20000 Fahrzeuge durch den Ort

"Aus drei Varianten sind wieder 18 geworden"

Von Werner Glanz

Was kommt nun: Die Süd-West-Umfahrung oder doch eher die Ostumgehung? Oder tut sich in absehbarer Zeit gar nichts, weil's an den klammen Finanzen des Landes scheitert? Jetzt sorgte das brisante Thema erneut für genügend Diskussionsstoff im Gemeinderat von Untereisesheim.

"Seit 30 Jahren wird darüber diskutiert und aus drei möglichen Varianten sind wieder 18 geworden", sagt Bürgermeister Weigelt leicht gereizt. Grundlage der jüngsten Diskussion war die verkehrswirtschaftliche Untersuchung des Büros Bender + Stahl zum Thema Umfahrung Bad Wimpfen. Das Gutachten belegt, dass zurzeit täglich knapp 20 000 Kraftfahrzeuge die Neckargemeinde durchfahren. Gerechnet wird in den nächsten Jahren mit einer weiteren Zunahme von rund 30 Prozent.

"Wir werden eines Tages im Verkehr ersaufen", befürchtet das Gemeindeoberhaupt. Weigelt will deshalb "jetzt Klarheit schaffen und die Dinge vorantreiben". Aber: "Diskutiert wird nur noch über harte Fakten." Und die sprechen nach seiner Meinung in Sachen Verkehr, Baukosten und Naturschutz eine klare Sprache. "Nur zusammen mit Bad Wimpfen geht es weiter", fuhr der Schultes fort.

Auch Frank Becker (FWV) will "nicht in den Chor der Stimmungsmacher einstimmen". Denn seiner Meinung nach ist das Projekt immer noch in Gefahr. Im Gutachten favorisiert wird die Süd-West-Umfahrung, die in zwei Bauabschnitten realisiert werden soll. Der erste Abschnitt kostet 16 Millionen Euro, dieser entlastet allerdings nur Bad Wimpfen. Der zweite Abschnitt wird mit 20 Millionen Euro beziffert, er sieht auch eine Querspange mit Tunnelanbindung zur L1100 vor.

Die Ostumfahrung entlang des Neckars wird dagegen aus naturschutzfachlicher Sicht, im Hinblick auf die Erholungsvorsorge und das Ortsbild, sowie aus Gründen des Hochwasserschutzes vom Ingenieurbüro "als sehr kritisch" beurteilt. Die Kosten für diese Variante werden auf etwa 42,5 Millionen Euro beziffert.

Untereisesheim hofft, dass die Sache nun endlich in die Gänge kommt, die richtige Planung vorangetrieben wird und die Bauabschnitte hintereinander verwirklicht werden. Doch dem Land sei sicherlich recht, so Weigelt, "wenn sich ein paar streiten, können derweil andere Projekte realisiert werden".

Bis 2010 könnte die Umgehung fertig sein, so die Hoffnung des scheidenden Verwaltungschefs, der weiter forderte, sich "am Machbaren zu bewegen, aber auf der anderen Seite auch Kompromisse einzugehen".