05.11.2007
Laster-Flut in Wimpfen


Langsam wird es auch den Bürgern von Bad Wimpfen zu viel, die sich bisher zum Thema "Umgehungsstraße" recht still verhalten haben.
Die Heilbronner Stimme berichtet:



Bürger wehren sich gegen Verkehr

Von Rudolf Landauer

Bad Wimpfen - In Kirchardt, Kirchhausen, Biberach und Fürfeld protestieren Bürger gegen die zunehmende Verkehrsbelastung. Eine Bürgerinitiative in Bad Wimpfen wendet sich gegen den Schwerlastverkehr vor den Haustüren im Steinweg. Die Bewohner fühlen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Der Ausbau des Steinwegs war bereits vor 30 Jahren ein Streitthema, das sogar Gerichte beschäftigte. Befürchtet wurde damals, dass der Steinweg als Autobahnzubringer dient. Die Bürgerinitiative möchte mit gezielten Aktionen wie dem Infostand am Samstag am Feuersee auf ihre Situation aufmerksam machen. Gerda Maisenhälder beispielsweise wohnt schon lange im Steinweg und bezeichnet die Zustände als nicht mehr tragbar. Die Laster kämen hauptsächlich aus Osteuropa und sind nach Einschätzung der Anwohner hauptsächlich Mautflüchter und Stauumfahrer der A 6. Maisenhälder stellt fest: Unter den Lastern seien viele Gefahrguttransporter. „Die dürfen doch gar nicht hinunter ins Tal fahren, die Steilstrecke ist für die gesperrt, da sind fahrende Bomben dabei“, kritisiert sie.

Gefährlich Zur Kundgebung der BI kommen am Samstag auch Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter und der Landtagsabgeordnete Bernhard Lasotta. Wilfried Ebner macht beiden deutlich: „Es sind hauptsächlich Mautflüchter und Navi-Stau-Umfahrer, die ihr Navigationsgerät nach Wimpfen und zur B 27 schickt.“ Und manchmal wird dies gefährlich: So bewahrte Siegmund Langer ein Satz in den Garten davor, dass ihn ein Laster umfuhr: „Der ist einem Kollegen ausgewichen und einfach auf den Gehweg gefahren“, erzählt der Wimpfener.

Dieter Himmelreich wohnt schon 30 Jahre am Steinweg und stellt eine drastische Verkehrszunahme fest. Auf einer Schautafel zeigt er Bilder, die er in kurzer Zeit gemacht hat. „Die Fotos sprechen eine deutliche Sprache“, meint der Kinderarzt. Der Steinweg sei nicht für Lkw geeignet.

Forderung Die Anwohner fordern ein totales Verbot für Schwerlastverkehr und eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Im Begegnungsverkehr weichen Lastwagen auf den Gehweg aus, so ihr Argument. Claus Brechter nimmt die Bürgerproteste ernst. Ein Lkw-Verbot sei wohl nicht durchsetzbar, meint er. Eine aktuelle Verkehrszählung der Stadt belege aber, dass der Verkehr im Steinweg in einem Jahr um 14 Prozent zugenommen hat, so Brechter. „Wir können keine Fenster mehr aufmachen, und ich laufe ständig mit Ohrenstöpsel rum“, beschwert sich Wilfried Ebner.

Mit Hochdruck will Wimpfen die Umfahrung vorantreiben. Die Finanzlage des Landes habe sich verbessert, signalisiert Lasotta Unterstützung zu, jetzt müsse man in konzertierten Aktionen für sie kämpfen.


Stichwort
Umgehungsstraße

Eine Ortsumgehung soll Bad Wimpfen und Untereisesheim vom Verkehr entlasten. Seit über einem Jahr ist der Planentwurf des Regierungspräsidiums Stuttgart für die Umgehung der beiden Orte genehmigt. Die denkbare Trasse umgeht die Ortslage von Bad Wimpfen im Süden und Westen und mündet in die bestehende Landesstraße 530 Richtung Bad Rappenau. Die Trassenlänge beträgt über sieben Kilometer. Für eine Querspange ins Wimpfener Tal muss ein Tunnelbauwerk mit einer Länge von 775 Meter gebaut werden. Die Kosten betragen rund 50 Millionen Euro. Mit der Umfahrung würde auch der Steinweg seine Zubringerfunktion zur A6 verlieren. lan