17.06.2010


Auch bei der Bürgerinitiative Straßenverkehr Bad Wimpfen
glaubt niemand mehr, dass die Umgehungsstraße je kommt.
So konzentriert man sich auf rein lokale Verbesserungen.
(Bericht Heilbronner Stimme vom 17. Juni 2010)

Berufsverkehr soll raus aus Bad Wimpfen
Von Petra Müller-Kromer

Bürgerinitiative will Lkw-Verbot

Bad Wimpfen
Ein bisschen ernüchtert sind sie schon, die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Straßenverkehr Bad Wimpfen. Trotz Kreiseldemonstrationen mit Mundschutz und trotz des Erfolgs, Tempo 30 im viel befahrenen Steinweg durchgesetzt zu haben: Bei ihrer jüngsten Verkehrszählung 2010 kommen sie auf ähnliche Zahlen wie 2008. Keine Verbesserung in Sicht. Bis zu 23 000 Fahrzeuge rattern ihrer Erkenntnis nach täglich durch die Ampelkreuzung Schiedstraße/Neue Biberacher Straße. "Eine frustrierende Bilanz", sagt BI-Sprecherin Gerda Maisenhälder. Mitstreiter Wilfried Ebner stimmt zu: "Wenn man bedenkt, was wir in den drei Jahren unseres Bestehens unternommen haben und was wir erreicht haben - da klafft eine Riesenlücke."

Jetzt ändern sie die Strategie. Statt öffentlichkeitswirksamer Aktionen rücken sie den Entscheidungsträgern auf die Pelle. Im Innen- und Wirtschaftsministerium sowie beim Regierungspräsidium und bei der IHK. Wenden sich an den Landrat, Bundes- und Landtagsabgeordnete, den Bürgermeister, die Gemeinderäte.

Gespräche

Gerda Maisenhälder formuliert die dringendsten Anliegen: "Wir werden nie im Paradies wohnen. Aber wir wären schon zufrieden, wenn die Lkw aus Wimpfen raus wären und der Berufsverkehr durch intelligente Verkehrsführung weggeleitet würde." Auf Gespräche im Landratsamt und im Wirtschaftsministerium bei Staatssekretär Richard Drautz stützt sich die Hoffnung. Landrat Detlef Piepenburg habe sich gemeldet, seitens der Stadt und des Gemeinderats habe es bislang keine Reaktion gegeben. Dass die Umgehungsstraße aus Richtung Untereisesheim je kommen wird, daran glaubt hier keiner mehr. Doch ein Teilstück des Plans, die Querspange von der Rappenauer über die Bonfelder zur Biberacher Straße muss möglich sein, finden die Steinweg-Anwohner. Plus A-6-Zufahrt Böllinger Höfe, wie sie die Wirtschaft fordere. Das würde den Verkehrsstrom aus dem Westen, aus Kirchardt, Rappenau und dem Hinterland von der Innenstadt fern halten, sind sie überzeugt. Ergebnis: Der Berufsverkehr würde morgens und abends wegfallen.

"Die Querspange ist keine Option", sagt Bürgermeister Claus Brechter, der den Forderungskatalog der BI in der heutigen Gemeinderatsitzung ansprechen will.

Feldweg

In den 70er Jahren haben die meisten BI-Mitglieder in damals bevorzugter Wohnlage am Steinweg ihre Häuser gebaut, "ein Feldweg war das, ein Schlagloch neben dem anderen", erinnert sich Ebner. Jetzt ist der Wert der Gebäude um mehr als ein Drittel gesunken, schätzt Dr. Dieter Himmelreich. Vermieten oder verkaufen bleibt eine Utopie. "Wir brauchen, um annehmbar leben zu können, eine ruhigere Straße, damit das, was wir geschaffen haben, nicht zerstört wird." Karl-Heinz Weyhing mahnt: "Bad Wimpfen gehört in Unesco-Rang. Durch den Verkehr gehen nicht nur wir kaputt, sondern ganz Wimpfen."


BI Straßenverkehr

Die Bürgerinitiative (BI) Straßenverkehr Bad Wimpfen besteht seit drei Jahren. Mit Kreiseldemonstrationen machte sie anfangs auf ihr Anliegen aufmerksam. 2009 schloss sie sich mit Bürgerinitiativen aus dem Heilbronner Stadtteil Kirchhausen, Bad Friedrichshall und Offenau zur BI Raum Heilbronn zusammen. In einer Gemeinschaftsaktion wies sie auf die zunehmende Belastung durch den Straßenverkehr hin und sorgte mit Fahrradfahren und Ampeldrücken teils für Chaos in den Ortsdurchfahrten. Als ersten Erfolg setzten die Wimpfener Anfang 2009 Tempo 30 im Bereich der Landesstraße 1107/Steinweg in der Stauferstadt durch.
amo