18.09.2012

"Neue Chance für Ortsumfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim" schreibt die Heilbronner Stimme über einen Artikel zum Autobahnanschluss für das Industriegebiet Böllinger Höfe. Im Text klingt es dann ganz anders, die Chance, dass die vorgestellte Straße zu unseren Lebzeiten noch gebaut wird, sei verschwindend gering. Von einer eigenen Umgehungsstraße für Untereisesheim ist jedenfalls keine Rede mehr. Anscheinend hält der neue Untereisesheimer Bürgermeister wohl von keiner der früher diskutierten Lösungen etwas. Die hier gezeigte "Fernumfahrung" würde sicher den Verkehr auf der Untereisesheimer Hauptstraße etwas reduzieren, aber eine wirkliche Beruhigung des Ortszentrums würde sich, insbesondere im Berufsverkehr, nicht ergeben, da bin ich mir sicher.

Am 18.09. war noch zu lesen, der Neckarsulmer Bürgermeister begrüße den Gedanken der drei Korridore. Doch da scheint er die Rechnung ohne seine Obereisesheimer gemacht zu haben. Promt berichtete die Zeitung am 28. von einem knallharten NEIN des Neckarsulmer Gemeinderats zu zwei der Varianten. Von allem, was Obereisesheimer Markung berührt, wollen sie nichts wissen. Somit bleibt von den hypothetischen Gedankenspielen nur die Variante 1 übrig, die rein auf Wimpfener Markung verläuft.

Vollends zur Farce geriet das Thema, als sich einige Tage später auch im Heilbronner Stadtteil Biberach die seit Stuttgart21 grassierenden Wutbürger zu Wort meldeten und sich vehement gegen die letzte verbliebene Variante positionierten. Auch Offenauer meldeten Bedenken an, der Verkehr auf der B27 könnte steigen.

Nach dem Neckarsulmer Gemeinderatsbeschluss einigten sich dann die vier Bürgermeister, die Gemeinschaftsaktion zu begraben.

Umgehungsstraße ade, das wird nichts mehr.

Anmerkung zu der Grafik: Der Wald heißt üblicherweise "Dornet" und der Tunnel soll nicht unter dem Neckar hindurch führen, sondern südlich davon unter dem Steilhang hinauf.



Heilbronner Stimme
18.09.2012
Heilbronn
Autobahnanschluss für die Böllinger Höfe
Neue Chance für Ortsumfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim

Von unserem Redakteur Joachim Friedl

Das Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe soll eine eigene Zu- und Abfahrt zur A6 bekommen. Eingebettet in diese Uralt-Forderung werden auch neue Überlegungen für eine Ortsumfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim zur B27 aktuell. Die Verwaltungsspitzen von Heilbronn, Neckarsulm, Bad Wimpfen und Untereisesheim haben sich jetzt auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Im Rathaus der Stauferstadt forderten sie gestern Nachmittag die grün-rote Landesregierung auf, nach Jahren des Stillstands in eine vertiefte Planung des jetzt vom Büro BS Ingenieure Ludwigsburg erarbeiteten Gesamtpakets einzusteigen. Der Heilbronner Gemeinderat wird sich heute mit der Verkehrsproblematik auseinandersetzen.

Untersuchung
Im April des vergangenen Jahres war vom Heilbronner Rathaus der Denkanstoß an die drei Umlandkommunen ausgegangen, gemeinsam für einen Autobahnanschluss der Böllinger Höfe und die Ortsumfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim zu kämpfen. „Die jetzigen Überlegungen zeigen einen Weg auf, der für alle vier Kommunen Vorteile bergen könnte", sagte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach.

Für Bad Wimpfen war dies der Anlass, auf Basis der 2003 stattgefundenen großen Verkehrsuntersuchung erneut prüfen zu lassen, inwieweit eine solche Streckenführung zu einer Entlastung der Ortsdurchfahrten von Bad Wimpfen und Untereisesheim führen kann. „Die Ergebnisse führten zu der Erkenntnis deutlicher Verkehrsentlastungen in Bad Wimpfen und Untereisesheim. Lediglich auf der Neckarbrücke stieg das Verkehrsaufkommen an", nannte Claus Brechter, Bürgermeister der Stauferstadt, Einzelheiten.

Abschied
„Wir begrüßen den Gedanken der drei vorgeschlagenen Korridore von der A6 bei den Böllinger Höfen zur geplanten Ortsumfahrung", stärkte Joachim Scholz den Kollegen den Rücken. Damit, so der Neckarsulmer Oberbürgermeister, sei die 2004 genehmigte Vorplanung des Landes für eine Ortsumfahrung hinfällig. An den Kosten und dem Widerstand Neckarsulms — die Trasse lag zu nahe an Obereisesheim — war dieses Projekt gescheitert. „Der Flächenverbrauch wäre zu groß gewesen. Der Vorschlag des Landes war nicht durchführbar", bekräftigte auch Untereisesheims Bürgermeister Bernd Bordon. Im aktuellen Maßnahmenplan des Generalverkehrsplan Baden-Württemberg ist dieses Projekt denn auch nicht mehr enthalten.

Kein Zeitplan
„Die drei Korridore nehmen Rücksicht auf die Topographie", stellt Neckarsulms Baubürgermeister Klaus Grabbe den verkehrsplanerischen Gedankenspielen vorab ein ordentliches Zeugnis aus. Im Bereich Dornenwald gelte es nun, die detaillierten Planungen abzuwarten. Die Trassen verlaufen links, rechts und mittendurch. Angesichts der Finanzlage von Bund und Land sowie der Ankündigung von Verkehrsminister Hermann, vorerst keine neuen Straßen zu bauen, sieht sich OB Himmelsbach außer Stande, „einen Zeithorizont zu definieren". Gleiches gilt für die Kosten. Dass es nicht preiswert wird, liegt auf der Hand: „Wimpfen braucht den Tunnel zur B 27 bei Offenau", sagt Bürgermeister Claus Brechter. Er weiß um die Beträge.

Verantwortung
Kommentar von Joachim Friedl

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Kommunen gemeinsam für eine Sache eintreten wie jetzt bei der Forderung nach einem Autobahnanschluss für die Böllinger Höfe und einer Ortsumfahrung für Bad Wimpfen und Untereisesheim. Dass dem so ist, ist gut. Dass der Denkanstoß von Heilbronn ausgegangen ist, verdient Respekt. Das Oberzentrum nimmt auch kleinere Partner gleichberechtigt mit ins Boot. Ein Umdenken in der Stadtverwaltung scheint eingesetzt zu haben.

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg sollte jetzt die drei Varianten, derzeit nichts anderes als Gedankenspiele, aufgeschlossen untersuchen. Dabei muss, anders als beim Projekt Saarlandstraße/ Südostumfahrung Leingarten geschehen, das Gesamtpaket mit Autobahnanschluss und Ortsumfahrung betrachtet werden: Beide Straßen sind regionalpolitisch wichtig. Damit die Region Heilbronn-Franken wirtschaftlich stark bleibt, müssen die Verkehrsprobleme zügig gelöst werden. Das Land steht hier in besonderer Verantwortung.

Realistisch zu sehen ist aber: Der Zeithorizont einer Realisierung ist fern. Es fehlt das Geld — und auch der politische Wille bei Grün-Rot, im Land neue Straßenprojekte anzugehen. Dennoch ist es richtig, dass die Kommunen handeln. Nichts tun hieße, dass sich nichts tut. Weder beim Autobahnanschluss, noch bei der Ortsumfahrung, die schon nicht mehr Bestandteil im Verkehrsmaßnahmenkatalog des Landes ist.


Heilbronner Stimme
28.09.2012

Neckarsulm
Absage an die Nachbarn
Gemeinderat will bei Obereisesheim keine Umgehung auf eigener Gemarkung
Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Der Neckarsulmer Gemeinderat hat den von der eigenen Verwaltung mit den Nachbarkommunen ausgearbeiteten Vorschlag, drei Umgehungsvarianten zwischen der A 6 und Bad Wimpfen mit Autobahnanschluss für die Böllinger Höfe untersuchen zu lassen, zurechtgestutzt. Nur die westliche Variante an Biberach entlang komme infrage. Obereisesheim dürfe nicht noch stärker belastet werden. Kritik gab es am Vorgehen der Verwaltung, die ohne Wissen der Bürgervertreter Gespräche mit Heilbronn, Bad Wimpfen und Untereisesheim geführt habe.

Im Neckarsulmer Ratssaal ging es dabei turbulent zu wie lange nicht. Als eine Zuhörerin ein Plakat an der Brüstung anbringen wollte, konnte Oberbürgermeister Joachim Scholz das noch mit einem strengen Hinweis verhindern. Die Schelte aus Obereisesheim gab es dann aber doch noch in Form eines offenen Briefes des Ortschaftsrats, den Karl-Heinz Ullrich verlas. Vor allem die Informationspolitik kritisierten die zehn Unterzeichner von CDU und SPD. Während in Nachbarkommunen schon „lebhaft öffentlich diskutiert" worden sei, habe die Verwaltung in Neckarsulm auch auf Anfrage verneint, dass es hier neue Entwicklungen gebe. Das sei ein „kaum verzeihbarer Vertrauensbruch".

Ehrlich
Inhaltlich erklärten Stadträte aus allen Fraktionen, dass eine Trassenführung in direkter Nachbarschaft von Obereisesheim nicht infrage komme. Auch dürfe der kleine Dornetwald nicht zerschnitten werden, was bei der mittleren Variante der Fall wäre. Herbert Emerich (CDU) erklärte, Neckarsulm müsse nicht auf eigener Gemarkung die Verkehrsprobleme anderer lösen. SPD-Mann Ullrich brachte es so auf den Punkt: „Wenn wir von vornherein nur die westliche Variante akzeptieren wollen, dann müssen wir das auch offen und ehrlich sagen."

Oberbürgermeister Joachim Scholz verteidigte sein Vorgehen. Man habe gemeinsam mit den Nachbarkommunen abgemacht, dass man erst dann an die Öffentlichkeit und in die Gremien gehe, wenn klar ist, worüber diskutiert werden kann. „Zwei Kommunen haben sich nicht daran gehalten, das haben wir nicht in der Hand. Und das ist auch kein Stil." Zudem hätten sich Rundfunk und Presse nicht an Sperrfristen gehalten. Er wolle aber nicht jede Verantwortung abschieben. „Man muss aus Fehlern lernen."

Warnung
Emerichs Überlegung, eine Untersuchung aller drei Varianten könne die Argumentation gegenüber den Nachbarn auch erleichtern, fand keine Unterstützung. Bei einer Enthaltung entschied sich der Rat gegen die zwei östlichen Varianten. „Je nachdem wird es dann gar keine Lösung geben", hatte der OB zuvor noch gewarnt.

Grundsätzlich wollen die vier Kommunen nun mit einem gemeinsamen Vorschlag an das Land herantreten. Angesichts der finanziellen Mittel für den Straßenbau gibt es ohnehin geringe Chancen für eine Realisierung der Umgehung in den nächsten zehn bis 15 Jahren.


Heilbronner Stimme
02.10.2012

Beim Straßenbau hört die gute Nachbarschaft auf
Chancen für Autobahnanschluss und Umfahrung Untereisesheim sinken - Biberacher beziehen Stellung
Von unseren Redakteuren Christian Gleichauf und Joachim Friedl

Region
Wer neue Straßen oder Autobahnanschlüsse fordert, der soll dafür auch das eigene Gelände zur Verfügung stellen. So lautet vielerorts der Tenor der Reaktionen auf das Vorhaben der vier Rathausspitzen aus Heilbronn, Neckarsulm, Untereisesheim und Bad Wimpfen, gemeinsam beim Land für eine A 6-Ausfahrt bei den Böllinger Höfen und eine Verbindung in Richtung Bad Wimpfen zu kämpfen. Damit sinken die Chancen für das Projekt zusehends.

Vor allem die drei möglichen Korridore für eine Umfahrung von Untereisesheim hatten zuletzt für Diskussionen gesorgt. Während die Gemeinde Untereisesheim noch bereit war, eine Untersuchung aller drei Trassen zu unterstützen - dabei allerdings die westliche, weit entfernte Variante "favorisierte" -, erteilte der Neckarsulmer Gemeinderat vergangene Woche zwei von drei Möglichkeiten eine Absage. Nach dem Beschluss kam nur noch die westliche Variante auf Heilbronner Gebiet infrage.

Harte Worte
Nun bringen sich auch die Nachbarn im Heilbronner Ortsteil Biberach gegen diese Trassenführung in Stellung. "Auf die Idee mit der Umfahrung auf unserer Gemarkung kann nur jemand kommen, der sich die Hose mit der Beißzange anzieht", schimpft Siegfried Dodenhöft. Der Sprecher des Bezirksbeirats (CDU) fasst die Stimmung im Stadtteil zusammen: "Es kocht in der Biberacher Bürgerschaft."

"Gleiches Recht für alle", fordert denn auch Albrecht Stephan, CDU-Ortsvorsitzender in Biberach. Die verkehrlichen und städtebaulichen Nachteile könnten Neckarsulm und Untereisesheim nicht einfach nach dem St. Floriansprinzip nach Biberach abschieben: "Wir sind wahrhaft genug belastet", sagt Albrecht Stephan.

Die Biberacher wollen aber auch keinen Anschluss des Industriegebiets Böllinger Höfe an die A 6 auf ihrer Gemarkung: "Die Autobahnzu- und -abfahrten können doch auf Neckargartacher Gemarkung realisiert werden. Hier gehört der Stadt das gesamte Gelände. Da kann die Stadt machen, was sie will", ereifert sich Dodenhöft. Mit dem Bau der Autobahn habe Biberach einst knapp 17 Hektar Land verloren.

Zugeknöpft gibt sich Helmut Himmelsbach: "Es laufen Gespräche mit den Bürgermeisterkollegen in den anderen betroffenen Kommunen, um das weitere Vorgehen abzustimmen", sagt der Heilbronner Oberbürgermeister. Es gelte, die Ergebnisse abzuwarten. Dies soll noch in dieser Woche der Fall sein. Sollte die Umgehung beerdigt werden, werde Heilbronn darüber nachdenken, wie der A 6-Anschluss der Böllinger Höfe weiterverfolgt werden könne.

Falsche Richtung
Damit geht die Diskussion in eine Richtung, die die vier Verwaltungschefs eigentlich vermeiden wollten. "Von vornherein war klar, dass es für jede Kommune eine Variante gibt, mit der man nicht so gut leben könnte", sagt der Neckarsulmer OB Joachim Scholz. Trotzdem habe man alle Möglichkeiten offen halten wollen, "um nach eingehender Prüfung dann die politische Entscheidung zu treffen". Wenn man sich jetzt nicht auf die einzig verbliebene Variante einigen könne, bedeute dies wohl das Ende für alle Umgehungsideen.

Die alten Pläne für eine Straße zwischen Ober- und Untereisesheim gelegen wären sogar für Untereisesheim selbst inzwischen nicht mehr tragbar. Zu viel Fläche der 366 Hektar kleinen Gemarkung müsste geopfert werden, erklärt Schultes Bernd Bordon. Der große Nachbar Neckarsulm hätte diese Variante ohnehin abgelehnt.


Heilbronner Stimme
02.10.2012

Bad Wimpfen
Zustimmung für Ortsumgehung
Gemeinderat will Umfahrungsstraße mit Autobahnanschluss -Anträge der Bürgerinitiative eingereicht
Von unserer Redakteurin Renee Ricarda Billau

Während das Projekt Autobahnanschluss und Umfahrung insgesamt auf der Kippe steht, hat der Bad Wimpfener Gemeinderat Bürgermeister Claus Brechter für die Pläne den Rücken gestärkt. Dieser hatte sich mit den Verwaltungsspitzen von Heilbronn, Neckarsulm, Untereisesheim und Bad Wimpfen darauf verständigt, gemeinsam beim Land für das Verkehrsprojekt zu kämpfen.

Ziel ist es, das baden-württembergische Verkehrsministerium davon zu überzeugen, die Umgehung samt Autobahnanschluss in den Ver-kehrs-Maßnahmenplan aufzunehmen. Eine entsprechende Stellungnahme hat der Gemeinderat nun einstimmig abgesegnet.

Varianten
Drei Straßenvarianten hat Bad Wimpfen auf der Datenbasis einer Verkehrsuntersuchung von 2003 überprüfen lassen. Alle drei würden - außer auf der Neckarbrücke - zu einer erheblichen Verkehrsentlastung führen, sagte Bürgermeister Brechter. „Man kann den Antrag nur unterstützen", sagte Axel Obermeyer (FDP). Gemeinderat Helmut Schmiedeknecht (SPD) betonte, wie wichtig es sei, dass die Kommunen an einem Strang ziehen.

Da wusste er noch nicht, dass wenige Stunden zuvor der Neckarsulmer Gemeinderat zwei der drei Varianten eine Absage erteilt hatte. In einer hitzigen Debatte machten dort die Räte deutlich, dass sie nur eine westliche Trassenführung entlang Biberach akzeptierten. Die beiden Alternativrouten seien eine zu starke Belastung für Obereisesheim.

Das Geschehen in der Nachbargemeinde wollte Brechter auf Nachfrage nicht kommentieren. Er hoffe aber, dass es eine Chance gebe, dieses Thema gemeinsam weiterzuver-folgen. Er habe den Antrag auf Untersuchung der Verkehrspläne dem Land inzwischen zugestellt.

Außer Neckarsulm meldete auch Offenau Bedenken an, die Bürgermeister Michael Folk in einer Stellungnahme an seinen Bad Wimpfener Amtskollege äußerte. Er bat in dem Schreiben, mögliche Auswirkungen auf Offenau zu berücksichtigen. Es sei selbstverständlich, dass man die unmittelbare Umgebung mit einbinde, versicherte Claus Brechter. Bad Wimpfen bestehe auf dem Tunnel zur B 27 bei Offenau. Brechter: „Ohne ihn geht nichts." Jetzt warte man aber die Stellungnahme des Landes ab. Sollte das Verkehrsministerium das Projekt wirklich berücksichtigen, ist mit einer Umsetzung frühestens in zehn bis 15 Jahren zu rechnen.

Lkw-Verbot
So lange möchte die Bürgerinitiative (BI) Straßenverkehr nicht warten. Sie will eine rasche Entlastung des viel befahrenen Ortskerns erwirken und fordert ein generelles Tempo 30 und ein Durchfahrtsverbot für Lkw. Die von der BI eingereichten Anträge werden an die zuständige Straßenverkehrsbehörde beim Landratsamt weitergereicht. Das beschloss der Gemeinderat. „Wir müssen jetzt abwarten, was sich tut", sagte BI-Koordinatorin Gerda Maisenhälder. Sie wünscht sich in dieser Angelegenheit mehr Nachdruck, mehr Herzblut" von der Verwaltung. Den Vorwurf, die Stadt handele zu zögerlich, will Bürgermeister Brechter nicht auf sich sitzen lassen. Er verwies auf das bereits geltende Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt im Tal, der Rappenauer Straße und dem Steinweg. Außerdem sei der Gemeinderat als Verwaltungsorgan an bestimmte Vorgehensweisen gebunden. „Wir haben gemacht, was möglich ist", sagte Brechter.


Heilbronner Stimme
02.10.2012

Kommentar
Nicht jedes Auf bäumen gegen die Politiker, die das Volk vertreten sollen, ist berechtigt.
Von Christian Gleichauf

Neue Gewichtung
Mangelnde Transparenz, fehlende Bürgerbeteiligung, den Volkswillen ignoriert: Die vier Rathauschefs von Bad Wimpfen, Untereisesheim, Neckarsulm und Heilbronn bekommen derzeit das gewachsene Selbstbewusstsein der Betroffenen zu spüren. Es scheint, als dürfe man als Bürgermeister noch nicht einmal mehr sondieren, welche Möglichkeiten es zur Lösung eines Problems geben könnte, ohne sich den vehementen Vorwürfen auszusetzen. Dabei ging es in diesem Fall um die nachvollziehbare Frage, ob eine vom Durchgangsverkehr zerschnittene Gemeinde entlastet werden kann - oder nicht.

Es gab eine Zeit, da hätte mancher sich auch mit den Anwohnern der Untereisesheimer Hauptstraße identifiziert. Da hätte man dem Ort grundsätzlich gewünscht, dass er angesichts einer kontinuierlichen Verkehrslawine nach Jahrzehnten zur Ruhe kommen darf. Doch solche Stimmen sind nicht zu hören. Zu einer Abwägung, welcher Nutzen welchen Kosten gegenübersteht, wie viele profitieren und wer unter einer Maßnahme wie stark zu leiden hätte, soll es gar nicht erst kommen. Man wehrt sich einfach pauschal gegen „die da oben", führt den Naturschutz allgemein an, betont Hoheitsrechte auf eigener Gemarkung.

Man mag begrüßen oder bedauern, dass die Umgehung für Untereisesheim womöglich - sprich: wahrscheinlich - in Kürze beerdigt wird. Aus welchen Gründen es so weit gekommen ist, kann man nur beklagen. Der politische Stil hat hier wieder einmal gelitten. Und das liegt nicht nur an den Politikern.


Heilbronner Stimme
06.10.2012

STRASSEN
Jetzt kämpft wieder jeder für sich
Bad Wimpfen, Untereisesheim, Heilbronn machen sich getrennt für ihre Belange stark
Von unseren Redakteuren Christian Gleichauf und Joachim Friedl

Es wurde nichts aus der konzertierten Aktion: Die vier Kommunen Bad Wimpfen, Untereisesheim, Heilbronn und Neckarsulm werden keine gemeinsamen Untersuchungen finanzieren. Sie werden nicht mehr gemeinsam nach einer für alle tragbaren Lösung suchen und diese dann in Stuttgart vertreten. Der Gemeinderatsbe-schluss in Neckarsulm steht dem entgegen. Zudem sei die „Thematik zu stark mit Emotionen belastet", damit sei einem weiteren gemeinsamen Vorgehen die Grundlage entzogen, begründeten die vier Rathauschefs am Freitag den Schritt.

Statt dessen wird nun in drei getrennten Stellungnahmen beim Land für den Autobahnanschluss bei den Böllinger Höfen plädiert, Untereisesheim und Bad Wimpfen fordern zudem jeweils eine Umfahrung in Richtung Bad Wimpfen. „Die Chancen dafür sind zwar gesunken", räumt der Wimpfener Bürgermeister Claus Brechter ein. Man könne aber auch sagen, dass sie besser sind als noch vor einigen Monaten. Eine neue Dynamik hatte die Idee erhalten, weil Heilbronn sich für seinen neuen Audi-Werksteil auf .den Böllinger Höfen stark macht. „Und ohne Anbindung an die B 27 ergibt ein Autobahnanschluss wenig Sinn", ist Brechter sicher. Ob man dazu eine Ortsumfahrung Bad Wimpfen braucht, bleibe nun aber der Beurteilung durch das Land überlassen.

Keine Vorleistung
„Es ist ein Fehler, das Gemeinschaftsprojekt nicht weiter zu verfolgen", bewertet auch der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach das Aus. Es wäre für alle vier Kommunen eine Win-win-Situation gewesen, geschlossen nach einer verträglichen Lösung zu suchen und diese dann dem Land zu präsentieren. Bevor man in eine Bewertung der Varianten gehe, müssten nun zunächst die Grundlagen dafür erarbeitet werden - und zwar vom Land. Die vier Rathauschefs hatten vorgehabt, in finanzielle Vorleistung zu gehen und die Untersuchungen zu bezahlen. Himmelsbach spricht von einem kleinen fünfstelligen Betrag.

Der Neckarsulmer OB Joachim Scholz bedauert die Entscheidung ebenfalls. Zum einen hätte auch die eigene Stadt etwas davon gehabt, wenn die bisher geplante Trassenführung zwischen Ober- und Untereisesheim endlich vom Tisch gewesen wäre. Zum anderen ist er sicher, dass in den Verhandlungen eine Lösung möglich gewesen wäre. „Heilbronns Anliegen hätte in Stuttgart stärkeres Gewicht gehabt, wenn man sich mit den Nachbarn einig ist." Dafür wäre die Stadt auch sicher zu Zugeständnissen bereit gewesen. „Doch so weit sind wir nicht gekommen." Folgen habe die Pleite aber nicht. „Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen ist weiterhin problemlos möglich."

Emotionslos
Für den Heilbronner OB stellt die Situation auch „keine kommunalpolitische Bankrotterklärung" dar, sondern gelebte Demokratie: „Ich bin deshalb nicht enttäuscht. Ich sehe das emotionslos." Heilbronn werde jetzt eben allein mit dem Land Gespräche führen.

Audi gibt zu all dem keinen Kommentar ab. Erst vor zwei Monaten hatte Audi-Chef Rupert Stadier gegenüber der Heilbronner Stimme allerdings erklärt, der Autohersteller mache sich „an oberster Stelle" für eine Lösung der Verkehrsproblematik bei den Böllinger Höfen stark.


Heilbronner Stimme
06.10.2012

Kommentar
Arbeit will jeder, Auto will jeder, Straße will keiner.
Ganz so einfach darf man es sich nicht machen.
Unglücksquartett
Von Christian Gleichauf

Niemand kann sagen, ob irgendeine Umgehungsvariante zwischen A 6 und Bad Wimpfen sinnvoll und zumutbar wäre. Der Flächenverbrauch für neue Straßen ist groß, Lärmbelästigung unvermeidlich, wieder würde ein Stück Natur unserer Lebensweise geopfert. Trotz dieses Wissens sollten die Möglichkeiten zumindest untersucht werden. Warum? Ein einfacher Grund lautet: Weil der größte Arbeitgeber der Region sich mit der Erweiterung auf den Böllinger Höfen zum Standort Neckarsulm bekannt hat. Damit nimmt - bei allen positiven Folgen dieser Entscheidung- auch der Verkehr zu. Zweifellos wächst die Staugefahr auf zahlreichen Straßen rund um Neckarsulm und Heilbronn.

Offen ist, wo die Nadelöhre sein werden. Der Autobauer hat sich ja noch nicht einmal geäußert, was er auf dem neuen Werksgelände vorhat. Dass sich vier betroffene Kommunen aber rechtzeitig zusammensetzen, um passende Antworten auf anstehende Fragen zu suchen, ist grundsätzlich lobenswert.

Dieses Mal wurde dabei viel Porzellan zerschlagen. Das darf aber nicht dazu führen, dass man weniger auf Gemeinsamkeit setzt. Diese Aktion eines unglücklichen Quartetts sollte vielmehr als Übung für weitere wichtige Aufgaben in der Region betrachtet werden. Auch künftig wird man in Stuttgart oder Berlin etwas bewirken wollen.


Abschließender Bericht der
Neckarsulmer Stimme
(Beilage der Heilbronner Stimme)
12.12.2012
Ortsumgehung
Gemeinschaftsinitiative ist gescheitert
Lösung der regionalen Verkehrsprobleme von Bad Wimpfen und Untereisesheim rückt in weite Ferne

Die Initiative von Heilbronn, Neckarsulm, Bad Wimpfen und Untereisesheim für eine neue Trassendiskussion zur Ortsumfahrung von Bad Wimpfen und Untereisesheim ist gescheitert. Der Gemeinderat der Stadt Neckarsulm lehnte in seiner jüngsten Sitzung zwei der drei möglichen Umfahrungsvarianten ab. Gleichzeitig beauftragte er die Verwaltung, nur die westlich am Dornetwald vorbeiführende Trasse als Stellungnahme zum Plan für die Fortschreibung des Generalverkehrsplans Baden-Württemberg einzubringen.

Drei Korridore
Für die Ortsumgehung von Bad Wimpfen und Untereisesheim liegt seit 2004 eine genehmigte Vorplanung des Landes vor. Darin wird die von Neckarsulm entschieden abgelehnte Trasse - sie zweigt von der Umgehungsstraße L1100 ab und verläuft quer durch die freie Landschaft zwischen Ober- und Untereisesheim - festgelegt. Die Baukosten wurden damals auf 50 Millionen Euro geschätzt. Wegen der Haushaltstage des Landes und des Widerstandes von Neckarsulm wurde diese Trasse jedoch nicht weiterverfolgt. Um die Diskussion neu anzustoßen und eine alternative Planungsmöglichkeit zu finden, hatten die betroffenen vier Gemeinden auf Initiative der Stadt Heilbronn ein gemeinsames Vorgehen verabredet. Als neue Verkehrsführung zur B 27 wurden drei mögliche Korridore skizziert, die das Heilbronner Gewerbegebiet Böllinger Höfe an die A 6 anschließen und dabei die Ortsumfahrung ermöglichen sollen.

Ziel war es, die drei Varianten bei der Fortschreibung des Generalverkehrsplans neu in die Diskussion einzubringen und sie verkehrsplanerisch auf ihre Eignung als Ortsumfahrung untersuchen zu lassen. Die vorgeschlagenen Korridore führen östlich und westlich am Dornetwald vorbei; die dritte mögliche Variante durch den Wald. „Bei diesen drei Korridoren handelt es sich weder um Trassenfestlegungen, noch um Vorplanungen, sondern um reine Gedankenspiele", so Stadtchef Scholz. Wimpfen hat diese Varianten bereits begutachten lassen und dabei eine spürbare Entlastung für die eigene und die Ortsdurchfahrt von Untereisesheim festgestellt.

Heilbronn erhoffte sich von der neuen Initiative den dringend benötigten direkten Autobahnanschluss für das Gewerbegebiet Böllinger Höfe. Joachim Scholz sah auch die Neckarsulmer Interessen berücksichtigt, weil die möglichen Korridore weit genug vom Obereisesheimer Siedlungsraum entfernt sind. Dieser Argumentation folgte der Gemeinderat nicht.

Scharfe Kritik
In einem offenen Brief, den der Stadtrat und Obereisesheimer Ortschaftsrat Karl-Heinz Ullrich verlas, übte das Stadtteilgremium scharfe Kritik. Weil die neuen Überlegungen vor einer Beratung öffentlich bekannt wurden, warf der Ortschaftsrat der Verwaltung Vertrauensbruch vor. Er sei trotz wiederholter Nachfragen nicht über „den tatsächlichen Stand der Dinge unterrichtet" gewesen. Die Verwaltung habe dessen Mitwirkung „regelrecht blockiert". Warum sich „die Verwaltung ohne Legitimation der Bürgervertreter" der neuen Initiative angeschlossen habe, sei nicht nachvollziehbar. Das Stadtteilgremium befürchte, dass „sich hier bei grundsätzlicher Zustimmung eine Eigendynamik entwickeln könnte".

Dringender Appell
Daher wurde an den Neckarsumer Gemeinderat appelliert, nicht von den bislang vertretenen Positionen abzurücken: „Beide östlichen Korridore sind für Obereisesheim nicht nur nachteilig, sondern in jeglicher Hinsicht absolut untragbar." Der offene Brief endete mit dem Vorschlag, nur den westlich des Dornetwalds verlaufenden Korridor unter Einbindung der bestehenden Kreisstraße 2040 weiter zu verhandeln. Diesen Vorschlag billigte das Gremium einstimmig. Die Befürchtung von Oberbürgermeister Scholz, dass die Gemeinschaftsinitiative unter diesen Umständen nicht fortgesetzt werden kann, hat sich inzwischen nach einem Gespräch der beteiligen Kommunen bewahrheitet. Damit wird die Umfahrung von Untereisesheim und Bad Wimpfen wohl endgültig zu den Akten gelegt.

snp