27.01.99


Bürgerversammlung in Untereisesheim

Zur Bürgerversammlung am 27.1. in der Frankenhalle waren ca. 300 Leute gekommen, offensichtlich mehr, als die Verwaltung gedacht hatte: Die vorbereiteten Unterlagen gingen aus, und es mußten noch Stühle herbeigeschafft werden. Ansonsten war die Versammlung hervorragend vorbereitet; auf Stellwänden waren sehr viele Planungsunterlagen ausgestellt.

Auf dem Podium gab es schon optisch zwei Parteien, rechts die Leute vom Straßenbauamt, links Gemeindeverwaltung und zwei von ihr bestellte Sachverständige.

Bürgermeister Weigelt sagte in seiner Einleitung, obwohl die Gemeinde früher immer von einer Ostumgehung durch das Neckartal ausgegangen sei, seien Gemeinderat und Verwaltung noch offen für alle Lösungen.

H. Titze vom Straßenbauamt stellte die 5 Varianten nochmals im Detail vor. Beeindruckend sind besonders die Ausmaße des für die Ostumgehung am Neckarhang geplanten Bauwerks: eine aufgeständerte Brücke von 520m Länge und 5 bis 6m Höhe; 965m Lärmschutzwand von 3,5m Höhe, besonders auch auf der Brücke, und eine Galerie in Halbschalenbauweise mit 300m Länge. Begründet wird dies mit Hochwasserschutz und vorgeschriebenen Straßensteigungen.

Die Westumgehung erfordert keine nennenswerten Bauwerke und nur ca. 100m Lärmschutzwall in der Nähe des neuen Reihenhausgebietes Bibershecke II * . Diese Variante ist kürzer und bei weitem billiger in der Erstellung und Instandhaltung, als die Ostumgehung. (Anmerkung: Die später vom Amt vorgeschlagene neue Trasse führt viel weiter am Ort vorbei.)

Im Anschluß stellte der Verkehrsexperte Prof. Kölz Zahlen zur Verkehrsentwicklung im Raum Untereisesheim vor. Er hat bereits vor vielen Jahren an der Ausarbeitung des alten Umgehungsstraßenkonzepts (Ost) mitgearbeitet. Das Verkehrsaufkommen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich, wenn auch nicht dramatisch, gestiegen. Derzeit ist mit ca. 16000 bis 17000 Fahrzeugen pro Tag am Ortseingang (Obereisesheimer Seite) zu rechnen. Davon ist aber weniger als die Hälfte Durchgangsverkehr! Auf der Umgehungsstraße würden wohl wegen verbesserter Verkehrsführung nochmals etwas mehr Fahrzeuge fahren. Die Daten von Prof. Kölz bilden auch die Grundlage für die Planungen des Straßenbauamtes. Als besonderen Vorteil der Ostumgehung hob er hervor, daß im Norden eine zweite Ortszufahrt vorhanden wäre. Ansonsten sagte auch H. Kölz, daß Variante 5 verkehrstechnisch optimal ist. Aber er "tut sich gefühlsmäßig schwer" mit dieser Lösung. Die wirklich langfristige Ortsentwicklung (rechts und links am Mühlbachsee vorbei nach Westen) würde durch die Westumgehung beeinträchtigt.

Der Landschaftsplaner Schreiner gab eine kurze, wenig präzise Stellungnahme ab mit dem Fazit, mit der Westumgehung könne er sich nicht anfreunden. Die Gründe dafür wurden nicht recht klar.

Von der Seite des Straßenbauamts hatte dann noch die Umweltschutzexpertin Fr. Otte Gelegenheit zu einer Stellungnahme. Sie betonte, daß Neckarhang und Neckaraue für Natur und Erholung von wesentlich größerer Bedeutung sind, als Ackerland.

In den wenigen Diskussionsbeiträgen, für die Zeit blieb, wurden angesprochen:
Bürgermeister Weigelt sagte abschließend, daß wohl beide Varianten nochmals überplant werden müssen. (Ob die Ostumgehung wirklich so aufwändig sein muß und ob bei der Westumgehung nicht viele Probleme übersehen wurden.**)

Die Untereisesheimer sind aufgerufen in drei Arbeitskreisen mitzuarbeiten: Das Ergebnis jedes Arbeiskreises soll durch einen Sprecher im Gemeinderat vorgetragen werden.


Untereisesheim, Dorf
Das Ostumgehungs-Bauwerk würde hier den unteren Teil des Bildes verdecken.
* Das Baugebiet Bibershecke II ist noch ganz neu. Es würde mich brennend interessieren, ob der Gemeindeverwaltung bei der Ausweisung dieses Gebietes die Pläne des Landes für eine Westumgehung schon bekannt waren.

** Sprich: Die Ostumgehung billiger machen, Westumgehung teuerer machen, mit dem Ziel, die Ostumgehung durchzusetzen.